Expatriate Protection Program – Teil 10.1: Sexuelle Übergriffe

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Im zweiten Artikel zum Thema „Sexuelle Übergriffe“ widmen wir uns im Rahmen des Expatriate Protection Programs dem Fall, dass Sie tatsächlich angegriffen werden.

Es gibt zwei Lager oder zwei Antworten auf die Frage: Wie soll sich eine Frau bei einem Angriff verhalten? Die einen vertreten die Meinung, dass die Frau sich passiv verhalten sollte, um den Täter nicht zu provozieren. Die anderen vertreten die Auffassung, eine Frau sollte sich mit aller Kraft wehren, um es dem Täter so schwer wie möglich zu machen.

Ich schließe mich der letzteren Gruppe an und rate, sich mit aller Kraft und Entschlossenheit zur Wehr zu setzen. Unterstützt wird diese Meinung durch eine Studie, durchgeführt von der hannoverischen Polizei, in der festgestellt wurde, dass in 93% der Fälle, in denen sich Frauen massiv im öffentlichen Bereich zur Wehr setzten, die Täter den Angriff abbrachen. Im Nahbereich, das heißt bei bekannten Tätern, lag die Abbruchquote immerhin noch bei 70%.

Aber: Es geht um massive Gegenwehr. Nicht halbherzig, nicht ein bisschen, nicht probieren – sondern mit aller Entschlossenheit, mit aller Ihnen zur Verfügung stehender Kraft. Das muss geübt werden! Nehmen Sie an einem guten Selbstverteidigungsseminar teil. Es geht nicht um komplizierte Techniken. Es sollten Ihnen Strategien vermittelt werden, mithilfe derer Sie mögliche Gefahren erkennen und vermeiden können und wie Sie Ihre Intuition nutzen sollten. Außerdem sollten Ihnen einfache, effektive Selbstverteidigungstechniken gezeigt werden. Sie sollten, ich gehe noch einen Schritt weiter, Sie müssen nach dem Seminar wissen, was in Ihnen steckt, und welche Kraft sie haben, wenn Sie „den Schalter umlegen“ und kämpfen. Die Kraft haben Sie heute schon – die Herausforderung ist die Aktivierung. Es ist nicht die Technik, die gewinnt. Es ist Ihre Einstellung, Ihre Entschlossenheit, Ihr Wille, der Sie zum Sieg führt bzw. Ihr Leben rettet.

Ein weiterer Aspekt, den ich während Trainings mit misshandelten Frauen aus einem Township in Kapstadt beobachten konnte, ist, dass bei Frauen, die sich zur Wehr gesetzt haben, die seelischen Wunden bzw. der psychologische Heilungsprozess erfolgreicher und schneller verlief. Sie haben die Opferrolle weder beim Angriff noch danach für Ihr Leben akzeptiert.

Zum Abschluss noch ein paar Fakten und Zahlen über das Ausmaß der Gewalt gegen Frauen: Statistisch gesehen wird fast die Hälfte aller Südafrikanerinnen im Laufe ihres Lebens Opfer einer Vergewaltigung. Laut einer Umfrage des Medical Research Council (MRC, 2009) hat jeder vierte Mann (in der Provinz Gauteng sogar jeder dritte) schon einmal eine Frau vergewaltigt. Aber es ist durchaus kein südafrikanisches oder afrikanisches Problem: Einer Studie der Europäische Agentur für Grundrechte (FRA) zufolge ist jede dritte Frau in Europa Opfer von körperlicher Gewalt / und sexueller Gewalt. Das sind in Zahlen ausgedrückt ca. 62 Millionen Frauen. Um das Ganze noch zu verdeutlichen: Würde man alle diese Frauen zu einer Nation zusammenfassen, wäre dis nach Deutschland und Frankreich die drittgrößte Nation Europas. Deutschland liegt, wenn es um die Gewalt gegen Frauen geht, sogar noch über dem europäischen Durchschnitt!

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