Expatriate Protection Program – Teil 12: Entführungen

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EPP-Expatriate-Protection-Program-Entführungen / Foto: S.Craddock

Im Rahmen unseres Expatriate Protection Programs widmen wir uns einem Thema, welches aktuell in aller Munde ist: Entführungen.

Einführung

Die Motive für Entführungen reichen von Rache, über den Verdacht, ein Spion zu sein, politische und ideologische Gründe, der Aussicht auf finanziellen Gewinn, lokale Auseinandersetzungen, sexuellen Missbrauch oder der Nutzung als menschliche Schutzschilder bis hin zur Verbreitung von Angst, Verunsicherung und Ohnmachtsgefühlen.

Wobei die Gründe in den meisten Entführungsfällen finanzieller und politischer Natur sind. Bei der Auswahl möglicher Opfer spielen unter anderem Gründe wie angenommener oder tatsächlicher Wohlstand, Einfluss der Firma z.B. auf Regierungskreise, Einfluss der Mitarbeiter auf die eigene Firma, der Zugang zu Vermögen, die Zugehörigkeit zu einer bestimmten Ethnie, Nationalität, Religion oder die tatsächlichen oder wahrgenommenen Schwächen des Zieles eine Rolle. Welche Gründe auch immer die Auswahl und die Motive bestimmen, eines haben alle Entführungen gemeinsam: Es handelt sich um eine höchst emotionale Situation, bei der eine dritte, meist unbekannt Partei, ihre eigenen Ziele mithilfe des Entführten durchsetzen will.

Obwohl jede Entführung individuell geplant und durchgeführt wird, gibt es einige Merkmale, die häufiger auftreten: Das Opfer befindet sich in einem Fahrzeug und wird in den frühen Morgenstunden innerhalb eines 500-Meter-Radius vom Wohnort oder Büro entführt. ABER: So unterschiedlich die Entführer, so unterschiedlich ihre Modi Operandi! Mögliche Arten der Durchführung reichen von Errichten von Straßensperren oder Kontrollpunkten, dem Auftreten als Polizisten oder Angehörigen der Sicherheitskräfte, dem Angriff direkt an der Ein- und Ausfahrt von Privatgrundstücken und Büro, dem Überfall an Ampeln und im Stau oder beim Verlassen oder Einsteigen in Ihr Fahrzeug, dem Abdrängen Ihres Fahrzeuges, leichte Auffahrunfälle, vorgetäuschte Unfälle oder Pannen, Blockieren Ihres elektrischen Einfahrtstores usw. Der Fantasie der Entführer sind keine Grenzen gesetzt!

Vorbereitung in der Zentrale

Wie bei allen Sicherheitsmaßnahmen sollte der Schwerpunkt auf der Vermeidung des Eintrittsfalles liegen. Ein besonderes Augenmerk sollte jedoch im Fall von Entführungen auch auf die Vorbereitung innerhalb der Firma selbst gelegt werden.

Hier ein kurzer Überblick, welche Bereiche Sie bei Ihrer Planung einbeziehen sollten:

  • In der Firmenzentrale sollten Sie ein Krisen-Management bestimmen und schulen. Jeder muss wissen, was er wann und in welcher Reihenfolge zu tun hat und welches sein Verantwortungsbereich ist.
  • Es sollte Klarheit über die Politik / Unterstützung des afrikanischen Landes hinsichtlich Entführung von Ausländern geben. Legen Sie fest, ob Sie die Unterstützung auch tatsächlich wollen!
  • Welche weitere, auch externe Hilfe, kann in Anspruch genommen werden?
  • Es sollte aktuelle Unterlagen über jeden im Ausland befindlichen Mitarbeiter geben und sichergestellt sein, dass die entsendeten Mitarbeiter mit aktuellen SOP’s und Information zur Vermeidung einer Entführung versorgt werden.
  • Es sollten Maßnahmen getroffen werden, um die Kommunikation mit den Entführern, den Familien der Entführten, mit den Behörden (in der Heimat und im afrikanischen Land), der Presse und den anderen Mitarbeitern sicherzustellen. Wer sagt was? Zu welcher Zeit? Zu wem? Die Koordination der Kommunikation ist während, aber auch nach einer Entführung sehr wichtig.
  • Es sollte eine Person bestimmt werden die den Kontakt zu den betroffenen Familien hält und sie mit Informationen versorgt.
  • Es sollten Maßnahmen zur Nachbetreuung der Entführten, deren Familien, aber auch der nicht direkt betroffenen Mitarbeiter getroffen werden. Die Nachwirkungen einer Entführung können noch Jahre anhalten!

Beim nächsten Mal lesen Sie, welche Vorbereitungen und Sicherheitsmaßnahmen konkret in der entsprechenden Firmenniederlassung getroffen werden sollten.

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