Expatriate Protection Program – Teil 12.1: Entführungen

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EPP-Expatriate-Protection-Program-Entführungen / Foto: S. Craddock

Nachdem wir uns beim letzten Mal mit den allgemeinen Charakteriska von Entführungen und den Vorbereitungen, die bereits in der Firmenzentrale getroffen werden sollten, beschäftigt haben, widmen wir uns im Rahmen des Expatriate Proctection Program nun den konkreten Vorbereitungen vor Ort.

 

Vorbereitung innerhalb der Niederlassung

In Ländern mit einem erhöhten Entführungsrisiko sollte eine Datenbank mit Informationen aller Mitarbeiter, wie z.B. aktuelles Foto, Familienkontakte, Kontakte im Land, Ausweisnummer, Genproben, Blutgruppe, Medikamenteneinnahme, nächster Angehöriger, Identifikationsfrage usw., angelegt werden. Es sollte ein Krisen-Team gebildet und geschult werden, das sich regelmäßig mit dem Krisen-Team in der Zentrale austauscht. Auch sollte es einen regen Informationsaustausch mit anderen Firmen, NGOs, und Botschaften in der Gegend / Land geben. Es muss Klarheit darüber herrschen, ob bzw. wer im Falle einer Entführung von der afrikanischen Regierung bzw. den Sicherheitskräften informiert werden muss (Namen und Telefonnummern). Dabei ist regelmäßige Überprüfung auf Aktualität der Ansprechpartner wichtig! Aufgrund der teilweise komplizierten bis hin zu chaotischen Verhältnissen innerhalb afrikanischer Behörden hat es sich als sehr nützlich rausgestellt, als Teil der Vorbereitung Kontakt zu einem gut vernetzten und erfahrenen lokalen Rechtsanwalt aufzubauen. Ein ganz wichtiger Punkt, besonders in afrikanischen Ländern: Finden und bestimmen Sie jemanden unter Ihren Angestellten, der möglichst viele lokale Sprachen und Dialekte des Landes spricht und bei der Kommunikation helfen kann. Allein in Nigeria gibt es ca. 400 Sprachen und rund 1.000 Dialekte!

Persönliche Sicherheit

Die wenigsten Entführungen geschehen aus einem spontanen Impuls heraus. Der größte Teil ist im Voraus geplant und vorbereitet. Zu den Vorbereitungen einer Entführung gehört es, so viele Informationen wie möglich über das spätere Opfer zu sammeln. Das kann durch elektronische Überwachung, durch die Informationsbeschaffung aus dem Internet, sozialen Netzwerken, Datenbanken, Firmenwebsites oder durch die persönliche Beobachtung der Opfer durch die Entführer geschehen. Keine andere Art der Informationsbeschaffung wird die persönliche Beobachtung der zukünftigen Opfer jemals vollständig ersetzen können.

Ihr bester Schutz gegen eine drohende Entführung ist, Ihr Umfeld zu kennen und wachsam zu sein. In einer vernetzten Welt bekommen Sie nicht mit, ob jemand Informationen über Sie sammelt oder nicht. Je weniger Sie allerdings von sich, Ihrer Familie, Ihren Kindern und Ihrer Firma preisgeben, desto weniger kann gesammelt werden … Wissen Sie allerdings wer bzw. was „normal“ in Ihrer Umgebung ist, erkennen Sie sofort das „Unnormale“. Es gibt keine speziellen SOPs (Standard Operation Procedures), um die Wahrscheinlichkeit einer Entführung zu reduzieren. Die reduzierenden Verhaltensmaßnahmen sollten vielmehr in die täglichen SOPs integriert sein. Allerdings kann es die Situation erfordern, dass die täglichen SOPs entsprechend dem Risiko einer Entführung angepasst werden müssen. Verschiedene Modi Operandi möglicher Entführungen verlangen unterschiedliche Vermeidungsstrategien. Wir haben für Sie SOPs rund um die Sicherheit im Auto, das Verlassen des Grundstücks, Carjacking sowie zu Sicherheitsmaßnahmen im Hotel zusammengestellt.

Im nächsten Teil erfahren Sie, wie Sie sich im Falle einer Entführung verhalten sollten.

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